Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank

Worauf mag die Gabe des Fleißes,
die der Deutsche besitzt, beruhn?
Deutsch sein heißt (der Deutsch weiß es)
Dinge um ihrer selbst willen tun.

Wenn er spart, dann nicht deswegen,
dass er später davon was hat.
Nein, ach nein! Geld hinterlegen
findet ohne Absicht statt.

Uns erfreut das bloße Sparen.
Geld persönlich macht nicht froh.
Regelmäßig nach paar Jahren
klaut ihr’s uns ja sowieso.

Nehmt denn hin, was wir ersparten!
Und verludert’s dann und wann!
Und erfindet noch paar Arten,
wie man pleite gehen kann!

Wieder ist es Euch gelungen.
Wieder sind wir auf dem Hund.
Unser Geld hat ausgerungen.
Ihr seid hoffentlich gesund.

Heiter stehn wir vor den Banken.
Armut ist der Mühe Lohn.
Bitte, bitte, nichts zu danken!
Keine Angst, wir gehen schon.

Und empfindet keine Reue!
Leider wurdet Ihr ertappt.
Doch wir halten Euch die Treue.
Und dann sparen wir aufs neue,
bis es wieder mal so klappt.

Erich Kästner 1931

Zur bleibenden Erinnerung an den Juli 1931.

Vorausgehend war der "Schwarze Donnerstag" im Oktober 1929 der die New Yorker Börse erschütterte und von da an die Weltwirtschaftskrise nicht mehr aufzuhalten war.

Um die plötzlich entstandenen Liquiditätsprobleme zu lösen, kündigen die USA in großem Umfang ihre an Deutschland vergebenen Kredite. Dies bringt wiederum die Banken hierzulande in Schieflage; zahlreiche Unternehmenspleiten, Massenarbeitslosigkeit und ein enormer internationaler Vertrauensverlust in die deutsche Wirtschaft sind die Folge.

Auch inländische Anleger fürchten nun zunehmend um ihr Kapital und bringen ihre Bankguthaben in Sicherheit. Die Regierung von Reichskanzler Heinrich Brüning, massiv geschwächt durch die nach dem Weltkrieg fälligen Reparationszahlungen an die Alliierten, kämpft immer verzweifelter gegen die drohende Zahlungsunfähigkeit an. Doch als im Juni 1931 Europas größter Wollkonzern, die Bremer Nordwolle, vor dem Bankrott steht, erlebt Deutschland seine erste Bankenkrise.

Flucht in den Feiertag

Größter Kreditgeber der Nordwolle ist die Darmstädter und Nationalbank, kurz DANAT-Bank genannt. Am Montag, dem 13. Juli 1931 stehen deren Kunden vor verschlossenen Türen. Aus einer ausgehängten Verlautbarung erfahren sie: "Die Darmstädter und Nationalbank hat mitgeteilt, dass sie genötigt sei, ihre Schalter geschlossen zu halten". Mit anderen Worten: Der DANAT-Bank ist das Bargeld ausgegangen. Rasend schnell verbreitet sich die Pleite-Nachricht über ganz Deutschland. Noch am selben Tag bilden sich überall vor den Banken lange Schlangen besorgter Sparer, die ihre Guthaben retten wollen.

Dem deutschen Finanzsystem droht damit auf einen Schlag der totale Kollaps. Um den panikartigen Run auf die Bankschalter zu stoppen, zieht Reichsfinanzminister Hermann Dietrich die Notbremse. Kurzerhand ruft er die folgenden beiden Tage als "Bankfeiertage" aus und macht seine Landsleute mitverantwortlich für die Krise. In einer Rundfunkrede erklärt Dietrich, "dass das deutsche Volk ungemein zur Kritik aufgelegt ist, und dass wir in Deutschland eine Unmenge Menschen haben, die diese Zeit der Not ständig benützt haben, um alles, was in Deutschland ist – von der Regierung angefangen – schlecht zu machen."  Quelle: WDR Stichtag

Wie ich hier 870 Milliarden für 334 Millionen schon beschrieben habe, ist nicht genug Bargeld für alle da. Das mussten 1931 die Deutschen schon feststellen und werden es wieder müssen.

Wir sehen uns auf einer kleinen Bank …

jojo

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1 Kommentar zu “Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank”

  1. Kamica schreibt:

    Wie wahr, wie wahr und so treffend formuliert.
    Und das bereits vor über 80 Jahren – und nix wurde daraus gelernt…

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