Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen

Vermutlich während seiner Studienzeit (vor anno 1550), verfasste Etienne de la Boetie (französischer Hoher Richter) sein Discours de la servitude volontaire (Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft). Obwohl dieses Werk schon vor über 450 Jahren erschien, hat es an Aktualität nichts verloren.

Der Mensch, welcher euch bändigt und überwältiget, hat nur zwei Augen, hat nur zwei Hände, hat nur einen Leib und hat nichts anderes an sich als der geringste Mann aus der ungezählten Masse eurer Städte; alles, was er vor euch allen voraus hat, ist der Vorteil, den ihr ihm gönnet, damit er euch verderbe. Woher nimmt er so viele Augen, euch zu bewachen, wenn ihr sie ihm nicht leiht? Wieso hat er so viele Hände, euch zu schlagen, wenn er sie nicht von euch bekommt? Die Füße, mit denen er eure Städte niedertritt, woher hat er sie, wenn es nicht eure sind? Wie hat er irgend Gewalt über euch, wenn nicht durch euch selber? Wie möchte er sich unterstehen, euch zu placken, wenn er nicht mit euch im Bunde stünde? Was könnte er euch tun, wenn ihr nicht die Hehler des Spitzbuben wäret, der euch ausraubt, die Spießgesellen des Mörders, der euch tötet, und Verräter an euch selbst?

Etienne de la Boetie

aus dem Kapitel – "Über die Ursachen freiwilliger Knechtschaft"

…Die Theater, die Spiele, die Volksbelustigungen und Aufführungen aller Art, die Gladiatoren, die exotischen Tiere, die Medaillen, Bilder und anderer Kram der Art, das waren für die antiken Völker der Köder der Knechtschaft, der Preis für ihre Freiheit, das Handwerkszeug der Tyrannei. Dieses Mittel, diese Praktik, diesen Köder hatten die antiken Tyrannen, um ihre antiken Untertanen unters Joch der Tyrannei zu schläfern. So gewöhnten sich die Völker in ihrer Torheit, an die sie selbst erst gewöhnt waren, an diesen Zeitvertreib, und vergnügten sich mit eitlem Spielzeug, das man ihnen vor die Augen hielt, damit sie ihre Knechtschaft nicht merkten…

aus dem Kapitel – "Wurzeln der Herrschaft"

…Der Tyrann wird nie geliebt und kann nie lieben. Freundschaft ist ein heiliger Name, ist eine heilige Sache; Freundschaft knüpft sich nur unter Guten, gründet sich nur auf gegenseitige Achtung; sie entsteht und erhält sich nicht durch eine Wohltat oder irgend eine rechte Tat, sondern durch das rechte Leben. Ein Freund ist des andern gewiß, weil er seine Reinheit kennt; die Bürgen, die er dafür hat, sind seine gute Natur, seine Zuverlässigkeit und seine Treue. Wo Grausamkeit ist, wo Unehrlichkeit ist, wo Ungerechtigkeit ist, da kann nicht Freundschaft sein. Wenn sich die Bösen versammeln, sind sie nicht Genossen, sondern Helfershelfer; sie sind nicht traulich beisammen, sondern ängstlich; sie sind nicht Freunde, sie sind Mitschuldige….

Das komplette Werk, kann in der Übersetzung von Gustav Landauer hier nachgelesen werden.

In diesem Sinne, denkt mal darüber nach.

jojo

Quellen:
Projekt Gutenberg-DE
www.dadaweb.de
wikipedia
 

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1 Kommentar zu “Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen”

  1. jojo schreibt:

    Hier noch ein Link mit gekürzten Versionen des Buches. http://wissenschaft3000.wordpress.com/2012/02/16/von-der-freiwilligen-knechtschaft-des-menschen-etienne-de-la-boetie/

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